Paradigmenwechsel in der Medizin – Von der Pathogenese zur Salutogenese

Wien (pts017/24.10.2019/11:55) – Gesundheit und Krankheit sind komplexe Phänomene, die nicht nur von genetischen, biologischen und psychologischen Faktoren abhängen, sondern auch von familiären, sozialen und kulturellen Aspekten. Auf diesem Denkansatz beruht das Konzept der Salutogenese. Nicht krankheitsfördernde Faktoren stehen dabei im Vordergrund, sondern alle jene Umstände und Bedingungen, die Gesundheit ermöglichen und erhalten.

Anlässlich des von der GAMED (Wiener Internationale Akademie für Ganzheitsmedizin) veranstalteten Kongresses „Salutogenese – Wege zur Gesundheit“ , am 8. und 9. November im Wiener Billrothhaus, informierten Experten im Rahmen des Pressegesprächs heute, am 24. Oktober, ab 10 Uhr im Wiener Café Landtmann über die Entstehung und die Entwicklung von Erkrankungen aus Sicht der traditionellen Medizin und präsentierten Konzepte zur Wiederherstellung und Erhaltung der Gesundheit.

Stellenwert der Ganzheitsmedizin

„Derzeit vollzieht sich eine Bewusstseinserweiterung in unserem Gesundheitswesen: von der Pathogenese – der Entstehung und Entwicklung von Krankheit – hin zur Salutogenese – der Entstehung und Erhaltung von Gesundheit“, betont Dr. Gerhard Hubmann , Vizepräsident der Wiener Akademie für Ganzheitsmedizin, Leiter des Masterlehrgangs Ganzheitliche Therapie und Salutogenese im FH Campus.

Ganzheitliche Denkweise ist der Ausdruck eines Weltbildes, das den Menschen wieder als Einheit von Körper, Geist und Seele in seiner Umwelt sieht und ihn in seiner Beziehung zur Natur wiederherstellt. Berücksichtigt wird dabei sowohl das (naturwissenschaftlich) Messbare als auch das Nicht-Messbare. Im Fokus steht der individuelle Mensch mit seiner Beziehung in seinem psychosozialen Umfeld. „Die Voraussetzung dafür, Gesundheit zuzulassen und Krankheit zu bewältigen, ist die Fähigkeit des Organismus zu Selbstregulation und Selbstheilung“, so Dr. Hubmann.

Stärkung der Gesundheitskompetenz

In der Ottawa Charter für Gesundheitsförderung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird bereits 1986 festgehalten: „Gesundheit entsteht dadurch, dass man sich um sich selbst und für andere sorgt, dass man in die Lage versetzt ist, selbst Entscheidungen zu fällen und Kontrolle über die eigenen Lebensumstände auszuüben“. Dieses gesundheitspolitische Dokument hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Gesundheitsorientierung und Selbstbestimmung weltweit Eingang in die Gesundheitssysteme nahm und baut auf den Einsichten der Salutogenese auf.

„Zentrale Orientierungspunkte zur Stärkung der Gesundheitskompetenz sind Verstehbarkeit, Handhabbarkeit und Sinnhaftigkeit“, erläutert Dr. Peter Nowak , Leiter der Abteilung „Gesundheit und Gesellschaft“ an der Gesundheit Österreich GmbH, Wien. In Österreich wurde die Stärkung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung bereits 2012 zum vordringlichsten Gesundheitsziel auf nationaler Ebene erklärt ( http://www.gesundheitsziele-oesterreich.at/gesundheitskompetenz-bevoelkerung-staerken ). In den Folgejahren gelang mit der Einrichtung der Österreichischen Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK; http://www.oepgk.at ) ein erster großer struktureller Schritt.

Inzwischen hat sich ein breites Spektrum von Umsetzungsmaßnahmen entwickelt, die von Bund, Ländern, Sozialversicherungsträgern und Organisationen verschiedener Politikbereiche realisiert werden. Insbesondere gute Gespräche über Gesundheit und Krankheit, gute Gesundheitsinformationen, gesundheitskompetente Organisationen und Settings sowie das Empowerment von BürgerInnen und PatientInnen wurden als zentrale Ansatzpunkte für die Stärkung der Gesundheitskompetenz in Österreich erkannt. Aktuelle Umsetzungsinitiativen in Österreich zeigen erste Erfolge und haben großes Interesse in vielen Bereichen ausgelöst.

Ein aktuelles Beispiel ist die Initiative „3 Fragen für meine Gesundheit“ ( https://oepgk.at/drei-fragen-fuer-meine-gesundheit ). Hierfür stellt die ÖPGK bundesweit Gesundheitseinrichtungen aufbereitete Materialien zur Verfügung. Diese können direkt über die Webseite abgerufen und sofort eingesetzt werden. Die Initiative soll einen Anstoß zu mehr Bürger- und Patienten-Empowerment liefern. Sie ermutigt Patientinnen und Patienten, zumindest folgende Fragen zu stellen und damit im Gespräch aktiv zu werden: * Was habe ich? * Was kann ich tun? * Warum soll ich das tun?

Psychosoziales Metabolisches Syndrom (PSALMS)

Derzeit sind weltweit knapp zwei Milliarden Menschen übergewichtig und 650 Millionen adipös (WHO 2018). Die kostenintensiven Folgen von Übergewicht und Adipositas werden im Psychosozialen Metabolischen Syndrom (PSALMS) zusammengefasst: Diabetes mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhtes Krebsrisiko, nicht-alkoholische Leberverfettung, Arthritis und psychosoziale Probleme.

Sowohl die konventionelle Medizin als auch die Regulationsmedizin (Orthomolekulare Medizin) setzen im Bereich der Metabolischen Medizin auf das Mikrobiom (Gesamtheit der Darmbakterien des Verdauungstraktes). Dieses ist sowohl im diagnostischen als auch therapeutischen Bereich aus einem modernen evidenzbasierten Behandlungskonzept nicht mehr wegzudenken. „Ein multifaktorielles pandemisches Problem wie PSALMS lässt sich nur durch ein multimodales personalisiertes und individualisiertes Therapiekonzept mit Integration der konventionellen Schulmedizin und der komplementären Regulationsmedizin langfristig und präventiv in Angriff nehmen“, resümiert Univ.-Prof. PD Dr. T. Peter Panhofer , Leiter des Lehrstuhls für Komplementärmedizin an der Sigmund Freud Universität in Wien, Facharzt für Viszeralchirurgie mit Schwerpunkt Metabolische Chirurgie.

Konstitutionsbehandlung als Basis der Traditionellen Medizin

In der Traditionellen Medizin steht die individuelle Betrachtung des Menschen im Vordergrund. Dazu dient als grobe Einteilung die Unterscheidung von vier sogenannten Konstitutionstypen (Humores). Diese sind anhand der vorliegenden Wirkprinzipienpaare bzw. der dominierenden Kräfte definiert: Phlegmatiker (Kälte und Feuchtigkeit), Sanguiniker (Wärme und Feuchtigkeit), Choleriker (Wärme und Trockenheit), Melancholiker (Kälte und Trockenheit). Beispielsweise dominiert beim Choleriker das Hitzig-Trockene. Das Cholera entspricht dem sogenannten gelb-galligen Prinzip – dem Choleriker geht leicht „die Galle über“, er ist sehr hitzig, neigt zu einem Übermaß an Feuer und Hitze. Ist dieses cholerische Prinzip stabil, kann der Betroffene damit gesund leben. Wenn es jedoch aus dem Gleichgewicht läuft, dann meistens dahingehend, dass es noch heißer und trockener wird. Dann macht es Sinn, von außen mittels bestimmter Pflanzen kühlend zu wirken und so die Wiederherstellung einer Balance zu fördern.

„Eine bestimmte Krankheit – z.B. ein Magenproblem – wird je nach Konstitutionstyp einer Person mit unterschiedlichen Pflanzen behandelt“, erklärt Dr. Gerhard Kögler , Ärztlicher Leiter der TEM-Akademie, Wien. In der Traditionellen Europäischen Medizin (TEM) werden Heilpflanzen möglichst im Ganzen verwendet, nicht nur Teile davon. Die Auswahl beruht v.a. auf tradierter Erfahrungsmedizin. In den letzten Jahrzehnten gerieten Heilpflanzen auch zunehmend in den Fokus der westlichen Wissenschaft. Mittlerweile sind bereits für immer mehr Pflanzen die Hauptinhaltsstoffe bzw. die enthaltenen Wirkstoffgruppen identifiziert und ihre Effekte analysiert. Besonders gut erforscht sind etwa Johanniskraut, Löwenzahn, Baldrian oder Spitzwegerich. Beispielsweise ist belegt, dass Gerb- und Bitterstoffe – etwa in Löwenzahn – eine entlastende Wirkung auf die Leber haben und das Gleichgewicht des Mikrobioms im Darm positiv beeinflussen. Darüber hinaus wirken sie u.a. gegen Parasiten. Ein wesentlicher Vorteil der TEM besteht vor diesem Hintergrund darin, Menschen nicht nur konstitutionell, sondern gleichzeitig auch symptomatisch behandeln zu können.

Pressemappe: https://hpr.itshare.at/index.php/s/m72wK9ErHomDS87

Nähere Informationen und Programm zum Kongress: https://www.salutogenese-kongress.com/

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